21.09.2015 - Aufbaulehrgang zur Erreichung der C-Trainerlizenz Breitensport

Am letzten Sonntag des heißen Julis 2015 war es soweit, dass dieses Gruppenfoto der 8 Frauen und 21 Männer aus ganz Bayern entstehen konnte, die allesamt die anspruchsvolle Ausbildung zum C-Trainer Breitensport, Fach Karate, mit Erfolg absolviert hatten. Die Aspiranten für die C-Trainerlizenz des Fachgebietes Karate stellten an insgesamt 6 Wochenenden in der großzügigen Trainingshalle und dem zu einem Hörsaal umfunktionierten Gaststättenraum des DJK Ingolstadt, ihre geistige Leistungsfähigkeit, ihre körperliche Fitness und ihr Engagement unter Beweis. Letzteres so sehr, dass einem Teilnehmer während eines besonders tiefen Kiba dachi, gar seine Gi-Hose lautstark riss.

Die gesamte Ausbildung umfasste die juristischen Aspekte zu Vereinsgründung und Haftungsfragen in verschiedensten Trainingssituationen, Möglichkeiten finanzieller Zuschüsse, das Wissen über den Gesamtaufbau der Karateweltorganistation im allgemeinen, sowie im speziellen, eine ebenso detaillierte wie motivierende Anleitung zum Trainingsaufbau für Grundschultechniken, Kata und Kumite, inklusive nachdrücklich gegebener Anregung für das Einbringen eigener Ideen, wie z.B. das Ausdenken neuer spielerischer Methoden beim Kindertraining. Vermittelte Aspekte aus allgemeiner Trainingslehre, biologischem wie auch sportmedizinischem Wissen dienten dabei stets als Grundlage.

Gruppenfoto C Trainer

Das Bestehen eines schriftlichen theoretischen Tests, einer praktischen Prüfung in Form einer kurzen Unterrichtseinheit, die Vorlage einer schriftlichen Lehrprobe sowie eine „große“, d.h. 9-stündige Erste Hilfe Ausbildung und mindestens der 3. Kyu Grad, waren Bedingung für den Erhalt der C-Trainerlizenz Breitensport im Fachgebiet Karate. Das klingt umfassend und war umfassend, doch die Ausbildung machte dank der praktischen sowie rhetorischen Fähigkeiten des Leiters, seines Abwechselns zwischen harten Fakten und Humor, tatsächlich Spaß und man lernte viel!

Im Ergebnis spiegelten insbesondere die praktischen Lehrproben die hohe Motivation, den Einsatz und die Kreativität der Teilnehmer wider. Stilrichtungsübergreifend wurde von einfacher Grundschule, wettkampfspezifischem Kumite bis hin zum Ki-Karate eine große Vielfalt an möglichen Trainingsschwerpunkten vorgestellt. Einen griffigen Eindruck über den Ablauf des Aufbaulehrgangs vermitteln einige gleich nach Abschluss der Ausbildung auf dem Vorplatz des DJK Ingolstadt gesammelten Teilnehmerstimmen: Es war eine „tolle Truppe“, eine, „wo die Leute stimmen“, „eine gute Truppe, ohne Abwertungen, ohne blödes Abgekanzel.“

„Der Anspruch ist hoch“, ein „hohes Niveau“, eine „große Bandbreite mit unterschiedlichen Schwerpunkten in den Lehrproben“, „wenig Kumite-Lehrproben“, dafür „viele Grundtechniken mit guten Ideen“ wie z.B. im Mawashi geri Training Tennisbälle wegkicken zu lassen oder im Kindertraining, den Oi zuki jodan, Oi zuki chudan und Gedan barai mit einem auf dem Arm entlang fahrenden Spielzeugauto zu veranschaulichen. Dank des wohlwollenden Klimas innerhalb der Gruppe und der unverbrüchlichen Zuversicht des Ausbilders, gelang es allen Teilnehmern, ihre Sorge in Bezug auf die praktische Lehrprobe zu überwinden. Dennoch „war es komisch, als Braungurt vor all den Blackbelts zu stehen“, gestand eine Teilnehmerin.

Hatte unser Ausbilder, Elmar Griesbauer, der Lehrbeauftragte des BKB, den Grundlehrgang mit einem Gleichnis, einer Zen Geschickte (Die beiden Brüder, der Greis und der Vogel) begonnen, wonach jeder die Freiheit habe, sinngemäß alles oder nichts aus der erhaltenen Ausbildung zu machen, in der Zen-Metapher den Vogel zu töten oder fliegen zu lassen, so schloss er den Kreis und endete wieder mit einem Gleichnis (über den Diamanthändler, der seine Diamanten ebenso gut verkaufte wie sehr er sie liebte), mit welchem E. Griesbauer seine 29 Schützlinge und frischgebackenen C-Trainer des Fachgebietes Karate verabschiedete. Theoretisch und praktisch, auch in Abhängigkeit der individuellen Vorerfahrung, waren wir alle fit, Trainings zu geben und Vereine zu managen. Wir alle waren angefüllt von rechtlichen Hintergründen, dem Wissen aus Sportphysiologie und moderner Trainingslehre; ja sogar tief greifendes kampfrichterliches Wissen wurde uns von einem weiteren Fachreferenten zuteil. Liegestützen in Rückenlage und auf den Handrücken brachten selbst die hartgesottensten Karateka an die Grenzen ihrer körperlichen Fähigkeiten. Doch der Unterschied - und dies ist die Essenz der Lehre - zwischen einem Trainer und einem herausragenden Trainer, welcher die Schüler wirklich berührt und begeistert, ist die Liebe für unseren Sport, der viel mehr ist als ein Sport, der eine Lebenshaltung repräsentiert, für das Karate.

Bericht: Karola Dittmann
Bild: Ralf Jungnickel