12.11.2014 - Vize-Weltmeistertitel für Heinrich Leistenschneider und Ilja Smorguner

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Nach einer langen und anstrengenden Vorbereitungszeit unserer Athleten war endlich der große Moment gekommen.

Insgesamt 116 Nationen mit knapp 1000 Sportler/innen reisten zu dieser Weltmeisterschaft nach Bremen, die mit rund 10.000 Zuschauern an den Finaltagen ausverkauft und auch an den Vorrundentagen außergewöhnlich gut besucht war.

Unsere bayerischen Athleten Maria Weiß, Ilja Smorguner und Heinrich Leistenschneider wurden durch jahrelange, kontinuierliche Leistungen für dieses besondere Ereignis nominiert. Das deutsche Team hatte perfekte Rahmenbedingungen.

Ein abgetrennter Hallenbereich sorgte für eine konzentrierte Aufwärmphase, physische Betreuung durch Armin Kolb (Bad Abbach) und mentale sowie technische Ratschläge durch Coaches und Trainer rundete die letzte Vorbereitung ab.

 

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DM-wmSlideDer erste startende deutsche Athlet dieses Wettbewerbes war der 30-jährige Ilja Smorguner vom Shugokan München, der bei dieser WM von seinem Trainer und Nationalcoach Michael Schölz begleitet wurde. Ruhig und fokussiert konnte er seinen ersten Konkurrenten aus der Türkei eindeutig mit 5:0 Punkten bezwingen, ebenso überragend gewann er gegen Russland und Kolumbien. Im Poolfinale traf der Münchner dann auf den amtierenden Weltmeister Antonio Diaz aus Venezuela. Als sich der Münchner in seiner Kata-Darbietung selbst übertraf und dann tatsächlich das Kampfrichtergremium mit 3:2 Punkten für Deutschland entschied, tobte das Publikum, als wenn er bereits im Finale stehen würde. Die große Freude musste von den Fans blitzartig wieder in Anfeuerungsrufe übergehen, denn nur noch eine Hürde trennte Ilja von größten deutschen Kata-Erfolg in der Einzeldisziplin: Der Einzug ins WM-Finale.

Seine Motivation und sein Ehrgeiz im darauffolgenden Halbfinale gegen Ägypten konnte jeder spüren. Das zeigte er auch in seiner Kata wieder, welche mit einem atemberaubenden 5:0 Flaggenentscheid belohnt wurde. Die Anspannung fiel ab, die Freudentränen liefen bei Athlet, Trainer und Offiziellen. Die Halle bebte und auch andere Nationen klatschten dieser Leistung Beifall. Am Sonntag durfte Ilja dann vor einer ausverkauften ÖVB Arena mit rund 10.000 Zuschauern gegen den Japaner Ryo Kiyuna im Finale antreten. Begleitet von Bundestrainer Efthimios Karamitsos, unterstützte auch das Publikum lautstark Iljas Einmarsch. Sein asiatischer Konkurrent legte mit einer starken Kata "Annan" einen hohen Maßstab vor. Ilja war mental und physisch in Höchstform, konterte ebenfalls mit einer beeindruckenden "Paiku". Leider entschied sich das 5-köpfige Kampfrichtergremium letztendlich mit 5:0 für Japan. Trotz des verlorenen Endkampfes hat unser bayerischer Athlet einen historischen, deutschen Erfolg erzielt und auch persönlich kann er stolz auf seinen Vize-Weltmeistertitel sein. Mit als Vizeweltmeister darf sich auch Michael Schölz als sein Trainer fühlen, der Ilja jahrelang auf diesen Event hin vorbereitet hatte. Als Belohnung für diese großartige Arbeit nominierte Kata-Cheftrainer Eftimios Karamitsos Michael zum Nationalcoach für diese WM. Damit war der Münchner auch der erste Nationalcoach in der Geschichte des BKB.



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MM L1449Kumite Damen Einzel
Für unsere erfahrene Maria Weiß aus Hersbruck war dies die letzte Meisterschaft ihrer Wettkampfkarriere. Gerade deshalb wollte sie für sich, nach dem Weltmeistertitel im Team 2008 in Tokio, nochmals im Einzel einen großen Erfolg feiern. Ihr Plan schien anfangs gut zu laufen. Sie konnte sich mit ihrem ruhigen, fairen, aber konzentrierten Kampfstil gegen Chile, Tunesien und Polen erfolgreich und teilweise fast immer ohne Gegenpunkte behaupten.

Im Poolfinale dann das Drama gegen Alizee Agier. Die Französin war oft etwas schneller als Maria und je offensiver unsere Bayerin wurde, umso öfter wurde sie ausgekontert und verlor letztendlich ihre Begegnung mit 0:5. Allerdings zog Agier ins Finale ein, so das Maria noch eine Chance auf Bronze bekam. Nachdem sich der Zeitplan am ersten Tag jedoch in die Länge zog, startete die Trostrunde erst gegen 23.00 Uhr, was sich bei den Sportlern auch teilweise in Konzentration und Spritzigkeit bemerkbar machte. Leider musste sich Maria kurz vor dem kleinen Finale von einer Ukrainerin geschlagen geben und erreichte lediglich einen 7. Rang in ihrer Kategorie.

Für ihren Abschied vom aktiven Wettkampfgeschehen hätte ihr jeder noch einen großen Erfolg gegönnt, jedoch wird Maria uns als Trainerin und Coach auf den Meisterschaften erhalten bleiben.

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Kumite Herren Team
Einen weiteren "bayerischen" Höhepunkt gab es am Freitag mit den Kumite Mannschaftsbegegnungen. Im deutschen Team stand neben Mehmet Bolat, Noah Bitsch, Jonathan Horne, Nika Tsurtsumia auch der Straubinger Heinrich Leistenschneider.

Die Mannschaft hatte nach einer langen und harten Vorbereitungszeit mit vielen Turnieren und Trainingslagern große Ziele. Fokussiert und erfolgreich kämpften unsere Jungs gegen die Mannschaften aus Polen, Kasachstan, Russland und Ägypten. Getragen von der mitreißenden Stimmung marschierten unsere Jungs hochkonzentriert auf die Kampffläche, um gegen die Türkei den Traum vom WM-Finaleinzug zu verwirklichen.

Die türkischen Athleten waren recht ungemütlich und nach vier Kämpfen stand es Unentschieden. Jetzt hatte Heinrich die schwierigste Aufgabe des Tages, er entschied über Sieg oder Niederlage, über Freude oder Enttäuschung. Heinrich kämpfte anfangs etwas verhalten, lag sogar zunächst im Rückstand. Bundestrainer Thomas Nitschmann stellte seine Jungs anfangs nach dem Motto "das ist Euer Haus, zeigt das ihr hier zu Hause seid" ein und Heinrich schien sich das im Laufe des Kampfes zu Herzen zu nehmen.


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Getragen von den Anfeuerungsrufen seiner Teammitglieder am Rande der Kampffläche machte er Punkt um Punkt, selbst einen selten ausgeführten "Skorpions-Kick" konnte er erfolgreich ansetzen und erhielt erneut drei Punkte. Schlussendlich wusste der türkische Athlet kein Rezept mehr gegen den adrenalingeladenen Straubinger und Heinrich gewann nicht nur mit 9:3 diesen Kampf, er verwirklichte damit seinen Traum vom WM-Finale.



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Als Finalgegner stand am Sonntagabend Iran auf der Matte. Die Iraner kämpften stark, so dass es nach vier Kämpfen wieder Unentschieden stand und Heinrich hatte als 5. Mann abermals die schwierige Aufgabe, durch sein Duell die Entscheidung herbeizuführen. Er kämpfte beherzt und versuchte der Dominanz des iranischen Athleten entgegenzuhalten. Leider fand er kein rechtes Konzept, hatte zwar zu einem 2:4 aufgeholt, allerdings reichte die Zeit nicht, um noch eine positive Wendung zu erzielen. Die Enttäuschung stand ihm ins Gesicht geschrieben. Allerdings darf und sollte man mit einem Vizetitel bei einer solch hochrangigen Weltmeisterschaft mehr als stolz auf sich sein.

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Bayern als Mitgestalter der WM

Neben den bayerischen Athleten gab es aber auch zahlreiche bayerische Funktionäre, die positiv am Erfolg für das deutsche Team und der WM mitgewirkt haben. Die Ärzte Roland Pfister und Thomas Bäuml standen jederzeit zur Verfügung und mussten auch an der WM medizinische Hilfe leisten. Zum Glück hat sich deren aktive Beteiligung und damit Verletzungen in Grenzen gehalten.

Roland Lowinger sorgte als DKV Kampfrichter-Chef und WKF Kommissionsmitglied für einen reibungslosen Ablauf innerhalb des Einsatzes der internationalen Kampfrichter. Außerdem gab es viele bayerische Helfer, die sich unentgeltlich für die WM Organisation zur Verfügung stellten. Ob nun als Tischbesatzung, Security, Catering, es gab überall und immer viel zu tun, so dass diese Unterstützung dankbar angenommen wurde.

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Es gab aber nicht nur aktive Funktionäre und Helfer, sondern jede Menge Schlachtenbummler, die teilweise mit kompletten Bussen aus Bayern anreisten, um unsere Athleten anzufeuern und dieses große Highlight live mitzuerleben. Auch die Bayerische Karate Jugend fuhr mit 40 Jugendlichen im Alter zwischen 10-17 Jahren im Bus nach Bremen. Unterstützt wurde Jugendleiter Peter Voit von sechs Betreuern der BKJ. Durch die sportlichen, positiven Leistungen wurden alle Schlachtenbummler mehr als belohnt.

Nach den letzten Finals, Siegerehrungen und Abschlusszeremonien, wurde an der Champions-Night ausgelassen gefeiert. Unterschiedlichste Nationalitäten, sowohl Trainer und Athleten, welche vor einigen Tagen noch Konkurrenten waren, tanzen und feierten gemeinsam im Kongress-Center Bremens.

Deutschland hat mit dieser 22. Weltmeisterschaft der Leistungsklasse und der ersten WM für Menschen mit Behinderung einen hohen Maßstab für alle kommenden Weltmeisterschaften gelegt. Zu bewundern war neben der perfekten Organisation, vor allem die Fairness der Zuschauer, welche die Leistungen anderer Nationen ebenfalls bejubelten. So geht eine mehr als erfolgreiche Weltmeisterschaft, geprägt von einem familiären Miteinander und vielen Emotionen, zu Ende. Die nächste WM in der Leistungsklasse wird Ende Oktober 2016 im österreichischen Linz ausgetragen.

Bericht und Bilder:
Melanie Müller


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Fernsehberichte rund um und über die WM in Bremen:

 



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