17.09.2014 - WM Portraits Teil 3: Kumite-Athlet Heinrich Leistenschneider

DKV-Kumite-120Name: Heinrich Leistenschneider
Geboren: 05.07.1986
Ausbildung / Beruf: Lehrer
Karate seit: 1992
Verein: Karate-Do Straubing
Graduierung: 2. Dan



Warum hast Du mit Karate angefangen?


Karate hat mich schon als ganz kleiner Junge in Filmen fasziniert. Daher bot es sich an, dass ich bald einen Schnupperkurs beim nahe gelegenen Karate-Verein Karate-Do Straubing besuchte. Seitdem bin ich ununterbrochen mit großem Eifer dabei geblieben und habe mittlerweile Vieles durch und von Karate erfahren und erleben dürfen.


Warum hast Du mit Wettkampf angefangen?


Ich war schon immer in allen Bereichen sehr ehrgeizig, wenn ich mich mit Anderen messen konnte. Im Karate habe ich gerade im Wettkampf diese Möglichkeit. Denn es gibt immer wieder neue Gegner, die es zu schlagen gibt und an denen ich mich hochziehen und somit verbessern kann. Im Wettkampf kann ich sehen, ob das, was ich trainiere auch wirklich gut ist.


Was war dein bisher größter (emotionalster) Erfolg?

Mein größter und emotionalster Erfolg war mit Sicherheit der Gewinn der Europameisterschaft 2012, wo ich im Finale den letzten entscheidenden Kampf für das Team bestreiten und den Titel sichern durfte. Emotional waren aber alle bisher großen Auftritte auf internationaler Bühne. Das ist schon etwas ganz Besonderes und jedes Mal ein tolles Gefühl. Ganz besonders in Erinnerung geblieben ist mir auch die Weltmeisterschaft in Paris. Vor knapp 20.000 Zuschauern zu kämpfen, und dann auch noch gegen das Gastgeber-Team Frankreich im Halbfinale, war einfach ein unbeschreibliches Erlebnis.

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Du bist für die WM im eigenen Land in Bremen nominiert. Was bedeutet das für Dich?


Damit geht ein Kindheitstraum für mich in Erfüllung. Ich durfte im Jahr 2000 die Weltmeisterschaft in München in der Olympiahalle als Zuschauer miterleben. Die Atmosphäre in der Halle war damals überwältigend und es war immer mein Ziel auch einmal dort unten auf der Tatami zu stehen. Dass ich nun nach 14 Jahren dieses Ziel erreicht habe ist schon jetzt ein riesiger Erfolg für mich. Natürlich möchte ich nun aber nicht nur auf der Tatami stehen, sondern die einmalige Chance nutzen, mein bestes Karate zeigen und gewinnen.


Wie bereitest Du dich auf dieses Ereignis vor?

Ohne Fleiß, kein Preis. Die Konkurrenz ist enorm stark und viele Nationen trainieren unter professionellen Bedingungen und werden finanziell stark gefördert. Hier hinkt Deutschland leider etwas nach, was die finanzielle Versorgung und Absicherung der Athleten angeht. Um auf diesem Level mithalten zu können, muss man ebenfalls professionell trainieren. Die meisten in der Nationalmannschaft müssen aber nebenher arbeiten, was eine zusätzliche Herausforderung darstellt. Ich persönlich werde für die 3 Monate vor der WM von der Bundeswehr gefördert und habe somit im Moment genügend Freiraum für Training und Vorbereitung.


20Wie geht es Dir kurz vor deinem Start? Was denkst oder fühlst Du?

Körperlich fühle ich mich sehr gut, da ich mich nun schon seit mehreren Monaten im Athletikbereich gezielt vorbereite. Mental bin ich auch gut gefestigt. Ich weiß, was ich kann, wenn ich körperlich fit bin und mich keine Verletzungen plagen. Auch auf der WM werde ich fokussiert auf die Tatami treten und alles rund herum ausblenden. Alles ist dann möglich...


Ist es für Dich wichtig dass vor deinem Start dein Trainer / Coach dir nochmals einen Motivationsschub gibt oder möchtest Du lieber für Dich sein und dich konzentrieren?

Ich brauche keinen ewig langen Monolog vor dem Kampf. Mir reichen ein paar positiv verstärkende Worte und jemand, der neben mir steht und da ist, wenn es Probleme gibt. Zu viele Gespräche direkt vor dem Kampf lassen den Fokus verschwimmen. Darum ist es mir lieber, hier nicht gestört zu werden.


Bist Du bei hochwertigen direkten Konkurrenten besonders nervös oder spielt ein Name oder Land für Dich keine Rolle in der Auslosung?


Im Endeffekt spielt es für mich keine Rolle, wer vor mir steht. Jeder kocht nur mit Wasser und kann besiegt werden. Bei stärkeren Gegnern ist es natürlich wichtig, im Vorfeld die Schwächen zu erkennen und dann für sich zu nutzen.


Wie schaut es nach der WM in Bremen aus. Wirst Du noch aktiv auf der Matte stehen oder möchtest Du nach diesem Event gleichzeitig deine Karriere beenden?

Ich möchte nach der WM in Bremen auf jeden Fall noch weiter machen. Die WM in Linz 2016 ist für mich ja fast wieder eine Heim-WM und somit ein erstrebenswertes Ziel. Linz ist nur gut eine Stunde von meinem Heimatort entfernt. Viele Freunde und Bekannte könnten mich somit endlich mal live in Aktion sehen.


Gibt es ein Motto oder Zitat das Du den Lesern auf dem Weg geben möchtest?

Da könnte ich jetzt einige Zitate nennen. Eines meiner Lieblingszitate ist aber Folgendes: „Erfolg heißt, von Niederlage zu Niederlage zu schreiten, ohne dabei seinen Enthusiasmus zu verlieren." (Winston Churchill)


Danke für das Interview
Melanie Müller

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