13.05.2014 - Trainermeeting 2014 | Interessantes & vielfältiges Programm

Ingolstadt / Oberhaunstadt - Der Bayerische Karate Bund hat mit 1200 Übungsleitern eine große Anzahl lizenzierte Trainerinnen und Trainer. Genau für diese Karateka richtet Breitensportreferent Fritz Oblinger das jährliche Trainermeeting aus, welches zur Weiterbildung und Austausch dienen soll. Die Auslagen der Referenten übernimmt der BKB, so dass hier der Event kostenlos angeboten wird. Zwar fanden sich knapp 90 Teilnehmer/-innen in Ingolstadt ein, allerdings gerade in Anbetracht der vielen Übungsleiter und des gebührenfreien Trainingsangebotes ein etwas enttäuschendes Ergebnis für die Organisatoren.

Letztendlich war die Anzahl der Teilnehmer egal; wichtig waren alle angereisten Wissbegierigen, für die Fritz in diesem Jahr den Schwerpunkt Kyusho ausgewählt hatte. Das Thema „Kyusho / Vitalpunkt" wurde kürzlich offiziell im DKV aufgenommen und ist auch in der WKF anerkannt. Dazu wurden mit Zsolt Szenasi (Ungarn) und Robert Göslbauer (Österreich) zwei Gasttrainer eingeladen, die ihr Wissen und Erfahrungen vermittelten. Daneben standen noch die beiden Landestrainer Gerhard Weitmann (Kumite) und Michael Schölz (Kata) zur Verfügung, um den Tag allumfassend auszufüllen.

Nach der offiziellen Begrüßung durch Fritz Oblinger und die Übergabe unseres BKB Maßkrug an die Gasttrainer, wurden die Gruppen in Kyusho und Kumite bzw. Kata aufgeteilt.

Zsolt Szenasi aus Ungarn betreibt seit 1978 Karate und Kampfkunst. Er erläuterte, dass es im Karate eine traditionelle-, sportliche- und effektive Trainings-Methodik gibt, alle drei Bereiche wichtig sind und am Trainermeeting geschult werden. Mit dem traditionellen Karate wurden Grundtechniken geübt, Wert auf Hüftbewegungen bzw. einen festen Stand gelegt und die Motorik mit Doppelblock-Bewegungen geschult. „Man muss nicht nur gut Kata, Kumite oder Techniken können, sondern Karate ganzheitlich und die Tiefe der Bewegungen verstehen. Dazu sind die Hüftbewegungen und eine lockere Ausführung enorm wichtig", so Zsolt. Später ging er in die sportliche Ausführung des Wettkampfkumite über und ließ einige Angriffsmethoden von der Gruppen üben. Der Hauptteil allerdings war der Vitalpunkt-Part, in welchem er auch viel Theorie und Grundlagen des Kyusho in Verbindung mit Karate erklärte. Eine fortgeschrittene Gruppe wurde von Robert Göslbauer betreut. Der Österreicher aus der Steiermark betreibt seit 25 Jahren Karate und beschäftigt sich seit 2007 mit dem Thema Kyusho. Er war an diesem Tag Trainer und Ansprechpartner für alle tieferen Fragen z.B. in Sachen Energiearbeit, Meridiane und den unterschiedlichsten Druckpunkten.

Bei Gerhard Weitmann wurden auch theoretische Inhalte des Kumite wie z.B. die verschiedenen Kumiteformen, das taktische Angreifen, Schrittfolgen oder Stepbewegungen erläutert und danach auch gleich intensiv am Partner trainiert. Er integrierte seine Gruppe in die Trainingsgestaltung, in dem er den Leuten immer wieder durch Fragen wie „Warum muss ich eine Technik überhaupt vorbereiten" zur aktiven Trainingsanalyse aufforderte und dann Lösungen wie „um sich eine günstige Position zum Angreifen zu schaffen" herausarbeitete. Danach folgte die Analyse, wie man sich günstige Positionen schaffen kann; welche wiederum von der Gruppe mit Antworten wie „Auslage wechseln, seitlich bewegen, durch eine Finte provozieren, vordere Hand blocken" etc. umfassend durchdacht wurde.

Auch Michael Schölz übte in seinen Einheiten nicht nur den Ablauf einer Kata (Enpi, Gojushio-Sho), sondern vermittelte auch geballte Trainingslehre, vor allem in Bezug auf die effektive Trainingsplanung und inhaltliche Gestaltung. Er animierte mit Fragen zur inhaltlichen Gemeinsamkeiten von Kata, z.B. „Was haben alle Sprünge in den Shotokan-Kata gemeinsam und was für Trainingsprinzipien ergeben sich daraus? Oder: „Warum zieht man in welchen Kata wo das hintere Bein aktiv heran..." Dieses Frage-Antwort-Training hatte den Vorteil, dass die Teilnehmer aktiv mit ins Geschehen einbezogen und zum Nachdenken gezwungen wurden, um auch selbst auf entsprechend effektive Trainingswege zu kommen. Umso größer war der „AHA-Effekt", als es bei der Analyse der Gemeinsamkeiten von Kata und ihren Bewegungsprinzipien in die Tiefe ging.

Zwischen den Einheiten gab es gemeinsam durch Michael Schölz und Gerhard Weitmann noch ein weiteres „Schmankerl" in Bezug auf Trainingslehre. Mit Hilfe einer Power-Point-Präsentation ließen sie umfassender in die Thematik „Planung von Training in Breiten- und Leistungssport" blicken. Hierbei wurde vor allem anhand von praktischen Beispielen neben den Problematiken einer durchgängigen Trainingsplanung für das Training im Dojo oder mit Einzelathleten auch Lösungen zur Vereinfachung und Straffung von Trainingsinhalten angeboten. Aber auch inhaltliche Unterschiede zwischen den eher traditionellen und leistungssportrelevanten Inhalten und deren Auswirkung auf eine Planung wurden aufgezeigt. Wichtigstes Credo war: „Besser ein sehr einfacher Plan als gar keiner!". Denn ein roter Faden gibt Trainern, Lehrern, Karateka und auch Außenstehenden wie Eltern Planungssicherheit und Motivation.

Downloads zum Thema Trainingslehre


Als Resümee lässt sich sagen: Schade für alle, die diesen Tag verpasst haben, es konnten von den anwesenden Referenten und den umfangreichen Themen viel Wissen und neue Ideen für das eigene Training erworben werden. Ein großer Dank geht nochmals an unsere Trainer Zsolt Szenasi, Robert Göslbauer, Gerhard Weitmann und Michael Schölz. Aber auch an unseren Breitensportreferenten Fritz Oblinger, welcher mit seinen BKB Events immer wieder hochwertiges, vielfältiges Karate anbietet und der „bayerischen Karate-Familie" eine Heimat zum gemeinsamen Training stellt. An alle „Dahoam-Gebliebenen" – im nächsten Jahr gilt's: Auf geht's zum Trainermeeting 2015!

Bericht und Bilder:
Melanie Müller

bkb-fotoalbum