27.10.2013 - 9. BKB Tag in Ingolstadt - gelebte Vielfalt mit Jung und Alt!

Ingolstadt. Bereits zum 9. Mal wurde der traditionelle BKB Tag in Ingolstadt ausgerichtet. In den vergangenen Jahren ergänzten diverse Gasttrainer das Angebot, diesmal jedoch setzte der BKB voll und ganz auf eigene Referenten. Mit Wolfgang Weigert, Klaus Sterba, Karl-Heinz Stief, Silvia und Oliver Schnabel, Michael Schölz, Alfred Heubeck, Heiner Büttner, Savas Gönenler, Siamak Montazeri, Elmar Griesbauer, und Siegfried Hübner hatte man ein breit gefächertes, hochwertiges Angebot. Aufgrund des tragischen und plötzlichen Ablebens unseres Referenten Wolfgang Spielvogel, wurden seine eingeplanten Einheiten durch Werner Bachhuber ergänzt.

Insgesamt reisten rund 300 Teilnehmer an, um diesen sonnigen Tag gemeinsam in der Halle zu erleben. Darunter war auch der komplette Jugendkader Kata und Kumite vertreten, welcher einen riesen Spaß im Training hatte und gleichzeitig weiteres Wissen und bestimmt auch einen kleinen Muskelkater mit nach Hause nehmen konnte.

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Bei der Eröffnung sagte Wolfgang Weigert Dank an alle Anwesenden, vor allem an den Referenten ohne die ein solches Event nicht möglich wäre. Er stellte klar, auch wenn er nun als neuer DKV Präsident in der Politik „eine Stufe höher gekommen ist", seine Heimat immer Bayern bleiben wird. Ausrichterverein DJK Ingolstadt mit seinem Vorsitzenden Stefan Welz richtet seit Jahren unser BKB Breitensport-Highlight aus. Stefan hält sich jedoch immer dezent im Hintergrund und musste erst durch Wolfgang nach vorne geholt werden, um Danke für diese erstklassige Arbeit zu sagen.

In sechs parallel abgehaltenen Einheiten startete das BKB Event pünktlich um 10.00 Uhr. Viele nutzten den Einstieg, um bei Silvia Schnabel mit karatespezifischen Aufwärmübungen fit und gedehnt für den Tag zu werden. Sie legte Wert auf ein Aufwärmen mit physiologischer, gesunder und gelenkschonender Gymnastik. „Mit einer falschen Gymnastik kann man auch viel kaputt machen." Gerade deshalb ist es ihr ein Bedürfnis, das vor allem die Trainer hier Anregungen mit in den eigenen Verein übernehmen. Ihre Kumite-Einheit hätte sie fast nicht abhalten können, da sich Silvia am Fußgelenk eine Entzündung zugezogen hatte. Sie biss sich allerdings durch und lebte selbst ihren eigenen Spruch vor: „Liebe Kumite und du wirst gewinnen, auch wenn es nur an Erfahrung ist!"

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Dr. Oliver Schnabel hatte für seine Einheiten diverse Katas wie z.B. Jitte in der Oberstufe oder Heian Godan für die Unterstufe ausgewählt. Mit viel Witz aber auch logischen Erklärungen begeisterte er seine Gruppe. Hier und da kam seine philosophische Ader zum Vorschein, wo er unter anderen den Begriff „Kara" erklärte: „Wenn ihr leer sein wollt, müsst ihr zuerst aus Euch heraus gehen!"

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Wolfgang Weigert startete bereits am Morgen mit dem Kampfrichter-DAN Anwärter Lehrgang und gab allen Anwesenden auch einen interessanten Einblick in das internationale Kampfrichtergeschehen. Trockener Stoff blieb hier aus, dafür erlebnisreiche Erzählungen rund um den Wettkampfsport.

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Nachdem der komplette BKB Jugendkader in Kata und Kumite vor Ort war, stand Jugendreferent Peter Voit für seine Schützlinge als Ansprechpartner zur Verfügung. Die Landestrainer Savas Gönenler und Michael Schölz hatten so in ihren Trainingseinheiten die größte Symbiose aus jungen Wettkämpfern und erfahrenen, älteren Karatekas. Sie verstanden es aber, sich um alle Belange gleichermaßen zu kümmern, so dass für jeden ein angemessenes Training geboten wurde. Egal ob Selbstverteidigung, Waffen oder Breitensport, alle Trainer versuchten ihren Gruppen so viel Wissen wie möglich weiter zu geben. Dabei behalf man sich oft mit bildlichen Vergleichen, wie z.B. Michael Schölz. Er erklärte, dass man Kata wie ein kleines Notizbuch oder Nachschlagewerk verstehen muss, in welchem alles in Sachen Selbstverteidigung enthalten ist. Auch Savas heizte seine jungen und älteren Teilnehmer ein: „Kämpft motiviert und mit Kraft. Der Angreifer muss schnell angreifen, damit der Abwehrende schnell reagieren kann – also GAS geben!" Und schon hörte man eifrige KIAIs durch die Halle rufen.

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BKB Lehrreferent Elmar Griesbauer brachte seine Gruppen mit elementaren Grundlagen und Kombinationen ins Schwitzen, jedoch kam der Spaß auch nicht zu kurz. In seinen Partnerübungen gab er den Anwesenden einen Rat in der Ausführung: „Es ist Karate wenn es funktioniert. Funktioniert es nicht, ist es auch kein Karate!" Das konnten die Teilnehmer dann gleich in der Praxis testen.

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Man kann Dinge im Leben planen, aber das Leben ist leider nicht planbar. Aufgrund des tragischen und plötzlichen Ablebens unseres Referenten Wolfgang Spielvogel, wurden seine Einheiten kurzfristig von Werner Bachhuber übernommen. Er vermittelte allen Interessierten Kobudo, speziell Bo, Sai und Tonfa. Siamak Montazeri bot ebenso mit Kenjutsu eine interessante Trainingseinheit an. Kenjutsu bedeutet „Schwert-Künste" und wird oft als Überbegriff für die traditionellen Schwertschulen Japans genannt, aus denen sich unter anderem das moderne Kendo entwickelt hat. Am Nachmittag konnte Siamak noch sein umfangreiches Wissen im Karate weitergeben.

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Ganz begeistert kamen die Teilnehmer aus der Trainingshalle von Klaus Sterba. Dieser schaffte es mit einfachen Übungen die Leute zu faszinieren und vor allem ins Schwitzen zu bringen. Seinen Schwerpunkt legte er bei der Oberstufe unter anderem auf die Kata Hangetsu, welche Halbmond bedeutet. Sie ist eine eher untypische Kata der Stilrichtung Shotokan und besteht aus 41 Einzeltechniken.

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Karl-Heinz Stief repräsentierte die Stilrichtung Wado-Ryu und bot seiner Oberstufengruppe mit der Kata Chinto gleich ein interessantes Thema. Chinto ist im Shotokan mit Gangaku zu vergleichen und eine der ältesten Kata im Karate. Im Wado-Ryu wird eine besondere Aufmerksamkeit im Ausweichen gelegt. Hier unterscheidet man innerhalb des Stils drei grundsätzliche Regeln: nagasu = fließen lassen, inasu = ausweichen, noru = mitgehen. Das Ausweichen ist fast immer von einem präzisen Schlag auf einen vitalen Punkt begleitet und endet sehr oft mit einem Wurf. Damit konnten die Teilnehmer, welche hauptsächlich aus dem Shotokan kamen, mal selbst über den Tellerrand blicken.

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Heiner Büttner bereits seit 1974 unsere Kampfkunst und lehrte in seiner Einheit Okinawa Karate. Mit seiner ruhigen und sachlichen Art verstand er es seine Gruppe zu begeistern.

Auch BKB / DKV Präsident Wolfgang Weigert ließ es sich nach seiner Theorieeinheit in der Kampfrichterei nicht nehmen, seinen umfangreichen Karate-Wissensschatz in einer Praxisstunde weiterzugeben. „Wir werden heute gemeinsam einen Berg besteigen", erklärte er seiner Gruppe, die noch nicht wusste wie das zu verstehen war. Im Laufe des Trainings merkte man dann doch, wie eine straffe Grundschule und Kombinationen anstrengen können. So wurden die Teilnehmer in der letzten Einheit nochmal richtig gefordert. Der Ausspruch „wir sind nun fast an der Spitze angekommen", mobilisierte die restlichen Kräfte der Teilnehmer, um kurz vor dem Ziel nicht aufzugeben.

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Parallel dazu hielt Alfred Heubeck sein letztes Lizenzverlängerungs-Training als BKB Prüferreferent. Er legte unter anderem Wert auf die korrekte Ausführung von Shuto-Uke und übte diese Abwehr bzw. ebenso als Angriff mit dem Partner. Im Laufe des Trainings kamen noch Kenntnisse und Grundlagen der Vitalpunkte dazu. Für alle die in der letzten Einheit noch etwas Entspannung brauchten und es lieber ruhig ausklingen lassen wollten, hatte Siegfried Hübner in seinem Training Tai-Chi im Programm.

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Nicht nur viel schwitzen, sondern vor allem auch etwas fürs eigene Training mit nach Hause nehmen, das ist den meisten Referenten ein großes Bedürfnis gewesen. Zum Abschluss lud der BKB noch zu einem gemütlichen Beisammensein in die Vereinsgaststätte mit Leberkäse, Brezeln und Kartoffelsalat ein, was viele Karatekas bei dem langen und anstrengenden Tag gerne in Anspruch nahmen. So war dieser Event, außerhalb jeglicher Politik oder Wettkampfdruck, ein entspanntes Miteinander von Jung und Alt, Breitensport und Leistungssport.

Im nächsten Jahr können wir bereits das 10-jährige Jubiläum des BKB Tages feiern, dann auch wieder mit einem Überraschungsgast.

Bericht und Bilder:
Melanie Müller