27.02.2013 - Karate und Kyusho-Jitsu mit Zsolt Szenasi und Fritz Oblinger

kyusho-3Ingolstadt. Als Kyusho-Jitsu oder besser zu Deutsch „die Kunst der Vitalpunkte", bezeichnet man das Wissen um die vitalen Punkte des menschlichen Körpers. Es basiert auf den Erkenntnissen und Prinzipien der Akupunktur und der westlichen Neurologie, verbunden mit Techniken aus dem Karatebereich. Dieses Wissen wurde jahrhundertelang im Geheimen, meist verschlüsselt in der Kata, weitergegeben.

In den letzten Jahren ist Kyusho-Jitsu in der „breiten Kampfkunstgemeinschaft" in der Popularität gestiegen und es werden immer mehr dieser speziellen Lehrgänge angeboten. Da aber eine solche Trainingslehre, wie auch Karate oder jede andere Kampfkunst nicht ganz ungefährlich sein kann, ist es Fritz Oblinger (BKB Breitensportreferent) ein besonderes Anliegen, diese Sparte kompetent im BKB / DKV auf- und auszubauen. Schon länger werden Seminare dieser Form durch Fritz Oblinger organisiert oder auch im Nürnberger Raum mit Joachim Merkl, Christian Conrad und Rainer Dohm angeboten, welche sich immer größere Beliebtheit erfreuen. In erster Linie geht es hierbei um Kata-Bunkai in Verbindung mit Vitalpunktanwendungen.

Nachdem Christian Gembe durch seine Kontakte nach Ungarn den Trainer Zsolt Szenasi für seinen Lehrgang in München verpflichten konnte, nutzte Fritz die Gelegenheit und organisierte mit dem ungarischen Referenten einen BKB Kyusho-Jitsu Lehrgang am 23. Februar in Ingolstadt. Leider gab es am Samstagmorgen einen regelrechten Schneesturm mit längeren Staus. Trotzdem reisten selbst aus Österreich die Teilnehmer zahlreich an, um diesen Trainingstag zu erleben.

Zsolt Szenasi war schon immer kampfkunstinteressiert und hat 1978 in Budapest mit Karate begonnen. Im Laufe seiner Trainingslaufbahn hat er festgestellt, dass manche Dinge als reale Selbstverteidigung nicht so funktionieren, wie es oft grundsätzlich vermittelt wird. Deswegen hat er von sich aus angefangen gewisse Bewegungen zu vollenden. Sein Trainingspartner und guter Freund war gleichzeitig Direktor der ungarisch-medizinischen Akkupunktur Gesellschaft. Nachdem es damals weder Bücher noch Internet als Informationsmedien gab, entwickelten beide gemeinsam Kyusho-Techniken vor allem aus den Kata-Abläufen. Sie stellten sich speziell immer wieder die Frage: Was bedeuten diese teils nicht erklärbaren „Zwischen-" oder Ausholbewegungen. „Karate ist ein gutes Werkzeug, um die Lebensqualität zu verbessern. Dieses Gefühl möchte ich mit Menschen teilen und keine faden Techniken weitergeben", so Zsolt im Interview.

Als erstes übte der ungarische Referent Karate-Grundschule in Form von festen Ständen, Wendungen, Techniktraining und Kombinationen. Später erklärte er, dass viele Leute denken, Kyusho-Jitsu wäre eine eigenständige Kampfkunst. Er legte jedoch sehr viel Wert darauf zu verstehen, dass Karate und die Kunst der Vitalpunkte als Einheit zu betrachten ist. Gerade die verschlüsselten Techniken in der Kata lassen sich in Form der Bunkai mit Vitalpunkte sinnvoll und in Bezug auf reale Selbstverteidigung auflösen. An diesem Tag bekamen z.B. die ersten zwei Bewegungen in der Heian Shodan für die anwesenden Teilnehmer eine ganz andere Bedeutung. Auch verglich Zsolt unsere Kampfkunst mit seinem zweiten Hobby, dem Tango-Tanzen. Beim Tanzen führt ein Partner sein Gegenüber durch seinen Körpereinsatz wie Hüfte, Schulter und Arme dahin, wo die Bewegung hingehen soll. Im Kyusho verhält es sich ähnlich: Hier beeinflussen wir ebenfalls, durch unseren Einsatz von verschiedenen Hebeln, Vitalpunkten und Dreh-Bewegungen, wie sich der Partner bewegen soll, damit der Einsatz von Vitalpunkte erst richtig effektiv werden kann.

In diesem Jahr werden noch einige Kyusho-Lehrgänge unter dem Dach des BKB durch Fritz Oblinger organisiert. Neben Fritz selbst haben die Referenten wie z.B. Jürgen Kraus aus Weiden als hauptberuflicher Physiotherapeut und Nahkampf bzw. Personenschutztrainer die Kompetenz, das Wissen auf eine vernünftige aber interessante Basis zu vermitteln.

Bericht und Bilder:
Melanie Müller



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