16.04.2011 - Projekt zur Gewaltprävention an der Grundschule Tittmoning.

Nachdem Thomas Brauner, 3. DAN, bereits in den beiden vergangenen Jahren eine 26-köpfige Schulkarategruppe an der Grundschule Tittmoning trainierte, wurde Anfang 2011 ein zehnwöchiges Projekt mit dem Thema „Selbstverteidigung- und Gewaltprävention für Kinder“ abgehalten. 33 Kinder im Alter zwischen 6 und 9 Jahren meldeten sich spontan zu diesem Kurs an.

SV-Maedchen

Aufgeteilt in eine Buben- und Mädchengruppe konnte gruppenorientiert gearbeitet werden. Während bei den Buben der Schwerpunkt einerseits auf dem Vermeiden aggressiven Verhaltens lag, (was sich als nicht ganz einfach herausstellte) da Buben in der Regel öfters als Mädchen dazu neigen die „Täterrolle“ zu übernehmen, wurde bei den Mädchen der größere Augenmerk auf das Vermeiden der „Opferrolle“ gesetzt. In beiden Gruppen wurden einfache, aber effektive Selbstverteidigungstechniken vermittelt, abgestuft je nachdem, ob der Gegner ein Kind, Jugendlicher oder Erwachsener ist.

SV-Maedchen-2Zum blanken Entsetzen der Kinder, mussten sie dann auch noch Hausaufgaben machen. In kindlicher Art notierten sie wovor sie Angst haben, aber auch wie sie selbst behandelt werden möchten. Gute oder schlechte Geheimnisse wurden aufgeschrieben. Interessant war, dass letztendlich alle Kinder (die ehrliche Angaben machten), die gleichen Ängste in sich tragen. Aber auch die Ansprüche an ihre Umwelt: „Ich möchte dass man mich nicht auslacht“, oder „Ich will nicht dass ich gestoßen werde“ waren die übereinstimmenden Antworten. Nur ein Junge, schon fast ein „richtiger“ Mann, hatte vor nichts Angst. Damit zeigte aber auch er seine Angst. Die Angst sich zu offenbaren, Gefühle zu zeigen.

In beiden Gruppen war das Thema „sexuelle Gewalt“ ein wichtiges Thema. Wobei der Unterricht in der Mädchengruppe hauptsächlich hierauf ausgerichtet war.

In einem vorher abgehaltenen und gut besuchten Elternabend, wurden die Eltern gebeten ihre Kinder bereits im Vorfeld dahingehend zu sensibilisieren. Die traurige Tatsache, dass die meisten sexuellen Übergriffe nicht durch Fremde, sondern durch den Kindern nahestehende Personen stattfinden, zeigt deutlich auf, dass ein einfaches Selbstverteidigungstraining hier nicht alleine zielführend ist. Vielmehr die Tatsache, dass Täter sich „schwache“ Kinder bevorzugt aussuchen, zeigt den Weg der hier eingeschlagen werden muss. „Starke Kinder“ hieß die Devise. „Nein“ sagen, „Nein“ nicht nur sagen, „Nein!“ schreien. Die Wirkung der eigenen Stimme, der Körperhaltung - die eigenen Distanzzonen - wer darf wie nah an mich ran? All diese Fragen wurden erarbeitet.

Weiterhin wurden die Eltern sensibilisiert. Auf eventuelle Veränderungen des Kindes sollte geachtet werden. Aussagen des Kindes müssen unbedingt ernst genommen werden. Das Kind muss uneingeschränktes Vertrauen in die Hilfe der Eltern haben können. Wenn einem missbrauchten Kind einmal gesagt wird „das glaube ich Dir nicht“, wird es keinen zweiten Hilferuf mehr senden.

Trotz der ernsten Thematik, machte es den Kindern großen Spaß, auf spielerische Weise ihre Möglichkeiten, aber auch Grenzen zu erfahren, wobei zu beobachten war, dass manche geradezu über sich hinaus wuchsen. Der Leiter der Grundschule, Herr Gruber, zeigte sich sehr offen und interessiert, das Projekt auch im nächsten Schuljahr zu wiederholen.

Thomas Brauner
B-Trainer Selbstverteidigung- und Gewaltprävention im DOSB
Leiter der Karateabteilungen Tittmoning und Neuötting