14.08.2010 - Kampfrichter-LG mit Klaus Sterba in luftiger Höhe

Auf Einladung des Bayrischen Kampfrichterreferenten Klaus Sterba hatten wir beiden sächsischen Kampfrichter (Corina Müller und Jan Geppert) das Vergnügen, an einem Kampfrichter-Lehrgang der besonderen Art teilzunehmen. Schwerpunkt dieses Wochenendes: Teambildung!

Obwohl die über 500 km nach München an einem Freitag Nachmittag alles andere als eine Freude waren, kamen wir relativ entspannt über FFB in Utting am Ammersee an. Das Wetter war zu diesem Zeitpunkt schon bescheiden, aber alle hofften auf Besserung. Etwas überrascht waren wir über die geringe Resonanz seitens der bayerischen Kampfrichter, denn die Gruppe war mit 16 Teilnehmern doch recht überschaubar. Pünktlich um 19.00 Uhr begann Klaus mit der Theorie. Obwohl fast alle anwesenden Kampfrichter schon jahrzehntelang im Geschäft sind, taten wir uns schwer mit der Herausarbeitung der wichtigsten Anforderungen an einen Kampfrichter. Letztendlich waren es genau die Punkte, welche von den Athleten und Trainern immer in Frage gestellt werden: Fachkompetenz und Objektivität. Wenn selbst die Kampfrichter sich bemühen müssen, immer die aktuellste Interpretation des Regelwerkes abrufen zu können, haben logischerweise die Athleten und Trainer Probleme damit.

Mit Unterstützung eines Fässchens einer Bayerischen Brauerei (gesponsert von Richard) klang der Abend gemütlich mit Fachsimpelei und alten Kamellen aus.

Am Samstag sollte die eigentliche Teambildungsmaßnahme im Klettergarten stattfinden, aber es goss immer noch aus Kannen! Nach Rücksprache mit der Kletter-Crew entschieden wir, das ganze auf Sonntag zu verschieben. Neuer Plan: Wanderung zum Kloster Andechs. Mit dem optimistischen Hintergedanken „Da hinten wird’s schon heller!“ starteten wir fröhlich zu unserem einstündigen Fußmarsch. Leider hatten wir die Wetterlage total unterschätzt. Es goss, und goss, und goss! Völlig durchnässt (Das Wasser floss uns schon unten wieder aus den Sachen heraus!) und groggy erreichten wir das Kloster. Unterwegs ließ es sich Klaus trotzdem nicht nehmen, von uns eine schnelle Entscheidung zu den verschiedensten Kampfsituationen abzufragen. Da alle nass und durchgefroren waren, sahen wir vom Rückmarsch ab und fuhren mit dem Auto zurück. Heiss geduscht hieß es: Auf zum nächsten Fußmarsch ! In der „Alten Villa“ waren wir leider nicht willkommen, aber nach einer  weiteren kleinen Wanderung entschädigte uns der „Sonnenhof“ mit perfekter bayrischer Gastlichkeit. Es wurde gegessen und reichlich gelacht. Letztendlich ging es relativ zeitig zu Bett, da wir am nächsten Morgen zeitig in den Klettergarten wollten.

Pünktlich 9.00 Uhr begann die Einweisung am Seil, alle waren gut drauf. Und genau da begann der eigentliche Schwerpunkt des Lehrganges. Keine der Übungen ging ohne Teamwork. Lediglich 4 Stationen, aber 5 Stunden intensive Zusammenarbeit. Der Hammer waren die Aufgaben, welche in 5m Höhe mit verbundenen Augen absolviert werden mussten. Getreu dem Motto: „Wer aufgibt, macht Liegestütze!“, war es erstaunlich zu beobachten, wie man sich selbst und die Gruppe in so kurzer Zeit verändern. An Stellen, wo man ganz allein längst aufgegeben hätte, motivierte einen das Team so, dass man es trotzdem schaffte. Es waren fantastische Erfahrungen und ich gebe zu, dass ich zwischendrin auch nahe am Aufgeben war. Aber da die Mädels Jutta und Corina zusammen mit Horst und seiner künstlichen Hüfte die Strecke vorher in Rekordzeit bewältigt hatten, blieb mir gar nichts anderes übrig, als es wenigstens zu versuchen. Der Sprung von einem 7 m hohen Baum war dann ein würdiger Abschluss, den fast alle wagten. Am Ende empfand man ein selten erlebtes Wir-Gefühl, was sich bei allen einstellte und was man ohne weiteres auf die Kampfläche transferieren kann und soll – Respekt und Achtung vor der Arbeit des anderen und eine gemeinsame Entscheidungsfindung als oberstes Ziel!

Abschließend wurde noch der langjährige Bundeskampfrichter Erwin Merk mit einer Urkunde verabschiedet. Mir persönlich ist Erwin in den letzten 17 Jahren sehr ans Herz gewachsen. Wir hatten meist Spaß auf der Kampffläche und auch daneben. Leider ist er nicht der erste mir bekannte Bundeskampfrichter, welcher vom DKV unbemerkt die Szene verlässt. Soweit ich weiß, arbeitet der neue Bundeskampfrichterreferent aber schon daran, auch die Kampfrichter in Zukunft offiziell aus der Bundesriege zu verabschieden.

Gegen 15 Uhr ging es dann an den allmählichen Aufbruch. Wir (wieder mit über 500 km vor Augen) setzten uns ziemlich aufgedreht und mit reichlich Gesprächsbedarf aufgrund der in den letzten 3 Tagen gemachten Erfahrungen ans Steuer. Wir sind Klaus dankbar für die Einladung und dafür, dass wir diese Erlebnisse hatten. Wir werden diese Idee sicher mit nach Sachsen nehmen und in unsere Kampfrichterkurse einbinden. Gerade die engere Zusammenarbeit der anliegenden Bundesländer wie Bayern, Thüringen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Sachsen wird die Entwicklung und Förderung der Kampfrichtertätigkeit in den nächsten 5 bis 10 Jahren deutlich verbessern. Derartige Teambildungsmaßnahmen kommen dann letztlich auch den Athleten bei Deutschen Meisterschaften zu Gute, in dem diese Kampfrichter ihre Objektivität und Fachkompetenz mit mehr Selbstbewusstsein präsentieren.

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