2. WM im „Para-Karate“ mit bayerischer Silbermedaille

para karate slideBereits die zweite offizielle Weltmeisterschaft im „Para-Karate“ (Menschen mit Behinderung) fand kürzlich im Rahmen der Weltmeisterschaften der Leistungsklasse in Linz statt. Die Organisatorin und Verantwortliche der WKF, Stefanie Nagl, kann mit dem Event sehr zufrieden sein. Vor allem die Stimmung rund um die Sportlerinnen und Sportlern mit Behinderungen war sehr familiär und auch die Zuschauer honorierten diese besonderen Leistungen mit großem Beifall.

„Es war gigantisch zu sehen, was alle Athleten für eine Leistung zeigten. Inklusion in Perfektion,“ so Stefanie. Unterstützt wurde die WKF Verantwortliche unter anderem noch von unseren bayerischen Helfern Herrmann Nagl und Michael Schölz. „Ich habe schon 2014 in Bremen spontan ausgeholfen und für mich festgestellt, dass die Arbeit mit und für Menschen mit Behinderungen auf dieser Ebene eine wundervolle und erfüllende Aufgabe ist. Für mich tatsächlich eine echte Ehre,“ so Michael.

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Die Aufgaben im Hintergrund bestanden darin, den Teilnehmern, ihren Coaches und mitgereisten Familien eine würdige, dem Status der WKF als olympischen Sportverband entsprechende Plattform für ihr Anliegen zu bieten, sich als gleichberechtig und sportlich anerkannte Gruppe innerhalb der WKF öffentlich zu präsentieren. Das beinhaltet vor allem als Ansprechpartner für Fragen und Probleme zur Verfügung zu stehen oder die Begleitung der Athleten bei den Starts. „Das war zum Beispiel bei den Menschen mit Down Syndrom nicht ganz einfach, weil die manchmal ganz eigene Ideen haben, was sie in diesem Augenblick tun wollen. Und sei es kurz vor einem Start.“ fasst Michael seine Erfahrungen zusammen. „Und all diese Aufgaben mussten mit einer großen Portion Fingerspitzengefühl und Empathie erledigt werden. Das war die eigentliche Herausforderung.“

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Insgesamt waren die Athleten vor den Wettkämpfen beeindruckend konzentriert und fokussiert. Die Stimmung war – bei aller Nervosität – von Herzlichkeit, Respekt, Dankbarkeit und Stolz geprägt. Und als Tüpfelchen auf dem „i“ war das Deutsche Para-Team auch noch die erfolgreichste Mannschaft dieser Weltmeisterschaften. Es erzielte mit zweimal Gold, einmal Silber und einmal Bronze tolle Ergebnisse. Helga Balkie konnte zudem an dieser Meisterschaft sensationell ihren Weltmeistertitel von 2014 in der Klasse „Blind“ verteidigen.

Es gab natürlich viele emotionale Momente, so zum Beispiel als die Mutter eines geistig behinderten Starters aus den Vereinigten Arabischen Emiraten Michael spontan umarmte und sich unter Tränen bedankte, dass ihrer Familie und ihrem Sohn Ehre und Würde wiedergegeben wurde und sie mit Stolz nach Hause fahren dürfen. Einen weiteren emotionalen Moment gab es für Steffi, nachdem die ukrainische Starterin es kaum fassen konnte, dass sie Weltmeisterin wurde. Diese Starterin durchlebte kurz davor ein kleines Fiasko, da sie mit einem Rollstuhl anreiste, der defekt war und eine Reparatur sich länger hinzog als geplant. Erst kurz vor ihrem Start in den Vorrunden gelang es der Firma SANO Transportgeräte GmbH den Defekt zu beseitigen.

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Aus bayerischer Sicht war es Michaela Schaffer von der Karate Akademie Regensburg, die einen großartigen Erfolg in der Klasse „Blind“ errang. Sie stand erstmalig im abendlichen Finale gegen die bereits erfahrene und amtierende Weltmeisterin Helge Balkie. Begleitet von ihrem Trainer und Coach Siamak Montazeri präsentierte sich unsere Bayerin im Rahmen ihrer Möglichkeiten. Leider reichte es nicht für eine Goldmedaille, allerdings ist der Vize-WM-Titel für den ersten Start auf so hohem Niveau bereits ein großer Erfolg.

Mit diesem Turnier hat das Para-Karate nun endlich die Rolle in der Karate-Familie gefestigt, die ihr gebührt. Dies haben zahlreiche Rückmeldungen auch von Zuschauern bestätigt. „Aber der Weg zu voller Akzeptanz wird noch ein weiter sein. Daran müssen wir noch gut weiterarbeiten“, kommentierte Steffi Nagl abschießend. „Das Wichtigste an den Olympischen Spielen ist nicht der Sieg, sondern die Teilnahme, wie auch das Wichtigste im Leben nicht der Sieg, sondern das Streben nach einem Ziel ist.“ Das ist bei den Para-Athleten noch am deutlichsten zu spüren.

Bericht und Bilder:
Melanie Feldmeier

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