German Open 2016 in Hamburg

go 2016 2Bayern trifft auf Weltelite | Letzter Test für Leistenschneider und Drexel

Hamburg. Eine Anreise „einmal quer durch die Bundesrepublik“, mussten unsere bayerischen Athleten(innen) für einen Start bei der diesjährigen German Open in Hamburg auf sich nehmen. Mit gigantischen 1172 Teilnehmern aus 72 Nationen wurde dieses Event zu den größten German Open aller Zeiten. Natürlich ist auch Hamburg ein interessanter Austragungsort für ausländische Nationen, für die meisten war es jedoch der letzte große Testlauf vor der WM in Linz.


Zum ersten Mal wurde die Meisterschaft auf 3 Tage ausgedehnt, um die Teilnehmerflut für alle Anwesenden angenehm zu bewältigen. Dieser Modus wird nun für alle Premier-League Turniere generell so stattfinden. Am Freitag wurden alle Kata-Disziplinen bis zum dritten Platz ausgekämpft, am Samstag und Sonntag standen bis Mittag die Kumite-Akteure am Programm. Das große Finale startete gegen 14 Uhr auf einem erhöhten Podest, um der Veranstaltung einen professionellen Rahmen zu verleihen.

Die Landestrainer & Coaches Momo Abu Wahib (Kata) und Gerhard Weitmann (Kumite) hatten ihre Schützlinge bestmöglich vorbereitet, allerdings war das Niveau der Starter(innen) mit einer Weltmeisterschaft vergleichbar.


Am Freitag standen unsere bayerischen Kata-Hoffnungsträger einem breiten und hochwertigem Teilnehmerfeld gegenüber. Bei den Kata-Herren allein gab es 146 Starter aus 45 Nationen. Die erste Runde bewältigten unsere Jungs Ilja Smorguner (5:0), Lukas Grimm (5:0) und Laurenz Berner (4:1) sehr souverän. In den zweiten Begegnungen hatten allesamt eine komplette Pechsträhne. Sowohl Ilja hatte gegen Japan mit 4:1, als auch Laurenz gegen Italien mit 5:0 das Nachsehen. Einzig Lukas Grimm machte es gegen Peru mit 2:3 knapp und spannend, brachte ihm aber letztendlich auch keine Runde weiter. Nachdem niemand dieser direkten Konkurrenten das Finale erreichte, blieb allen bayerischen Startern die Trostrunde verwehrt.

Bei den Damen musste Lisa Kirchner bereits nach der ersten Runde gegen Italien die Matte wieder verlassen. Einziger Hoffnungsschimmer war die Trostrunde, aber auch hier konnte sich die Italienerin im Poolfinale überraschend nicht gegen Maria Dimitrova aus der Dominikanischen Republik weiter durchsetzen.

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Am Samstag standen die „Kumite-Leichtgewichte“ auf dem Programm. Eva Rossner war fokussiert und hochmotiviert sich hier erfolgreich zu behaupten und zeigte dies auch mit einem klaren 3:0 gegen Israel auf der Matte. Gegen Serbien dominierte die Oberfränkin ebenfalls mit 2:0 in ihrer Begegnung. Erst die Französin Emilie Thouy stoppte unsere agile Bayerin, die sich gleichzeitig berechtigte Hoffnungen auf einen erneuten Kampf in der Trostrunde machte. Am Abend durfte Eva tatsächlich nochmal ihr Glück gegen Constanza Paredes aus Chile versuchen. Leider ging Constanza schnell mit einem 0:1 in Führung. Nun stand die Fränkin unter Zugzwang. Diesen knappen Rückstand konnte Eva allerdings nicht mehr ausgleichen, da es ihre Konkurrentin gut verstand, die Techniken ins Leere laufen zu lassen.

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Eine Überraschungs-Athletin war Kuljinder Pardeshi. Die erfahrene Straubingerin musste sich im letzten Jahr einer Hüft-OP unterziehen und deshalb pausieren. Seit einem halben Jahr greift Kuljinder nochmal neu an. Leider hatte sie gegen Ina Macejková aus der Slowakei keine Chance auf einen grünen Zweig zu kommen. Genauso mussten sich unsere „Neu-Bayern“ Nana Daraselia (ursprünglich Georgien und trainiert jetzt in Waldkraiburg) und Ilgner Selke (ursprünglich Schleswig-Holstein und trainiert jetzt in Hersbruck) ihrer hochwertigen Konkurrenz ebenfalls geschlagen geben.

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Unser „sächsischer Import“ Karl Meister schaffte anfangs eine kleine Sensation, als er mit 2:1 Punkten den Franzosen Julien Caffaro aus dem Rennen warf. Allerdings gab es in der zweiten Runde gegen Jonas Friis aus Dänemark kein Durchkommen mehr. Damit war Tag 2 für das bayerische Team beendet.

Am Sonntag hatten wir mit Meryem Yildirim, Nico Drexel und Heinrich Leistenschneider noch drei heiße Eisen im Feuer, die berechtigte Hoffnung auf gute Kämpfe gaben.


Nico Drexel legte gut vor, als er seinen ersten Konkurrenten mit deutlichen 7:0 Punkten gegen die USA ausschaltete. Leider war es auch bei ihm die verflixte zweite Runde, bei der er ein 1:3 gegen Sarmen Sinani aus Kanada akzeptieren musste. „Im ersten Kampf war ich sehr zufrieden mit mir. Im zweiten war der Gegner dann sehr groß und ich habe kein richtiges Konzept gegen ihm gefunden,“ so der 24-jährige Athlet aus Schwaben. Insgesamt war er dann doch etwas enttäuscht, da er wusste, es wären bestimmt noch 1-2 Runden drin gewesen. Allerdings wurde er nun offiziell für die Weltmeisterschaft in Linz nominiert, gemeinsam im Kumite-Team für Deutschland zu kämpfen. Dies ist seine nächste große Herausforderung.

Unsere einzige Dame an diesem Tag, Meryem Yildirim aus Memmingen, musste bereits bei ihrem ersten Kampf eine 0:3 Niederlage gegen Serbien hinnehmen.

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Unser letzter und größter Hoffnungsträger war Heinrich Leistenschneider. Sein fokussierter Blick zeigte gleich zu Bbeginn, das er heute kurz vor dem Ende seiner Karriere im Nationalteam nochmal weit möglichst nach vorne kommen möchte. Die Auslosung machte es ihm nicht einfach, er hatte fast als einziger in seinem Pool kein Freilos. Seine erste Begegnung ging gegen Bosnien-Herzegowina, welche er überlegen mit 2:0 beendete. Die nächste Runde gegen die Türkei machte er es mal wieder „typisch Heinrich“ spannend, als er im Laufe des Kampfes mit einem klaren 3:1 dominierte. Im letzten Drittel konnte seine Konkurrenz aus der Türkei einen Mawashi-Geri Chudan durchbringen, so dass es 3:3 stand. Nachdem beide nur noch „abtasteten“ und keiner mehr einen Fehler machen wollte, kam es nach dem Ende der regulären Zeit zum Kampfrichterentscheid.  Glücklicherweise entschieden sich die Referees mit 3:2 für unseren Straubinger. In Runde drei gegen Kanada musste er zu Beginn ein 0:1 einstecken. Zwar versuchte er konsequent den Ausgleich, kassierte dadurch jedoch noch ein 2:0. Kurz vor Schluss wäre ihm fast die ebenfalls typische „Heinrich-Sensation“ gelungen, als er einen eingedrehten Ura-Mawashi Chodan ansetzte. Sein Konkurrent konterte diesen allerdings sauber aus, so dass die Kampfrichter hier keine Technik für ihn werten konnten und sich seinem Konkurrenten beugen musste. Nachdem der Kanadier sich in diesem Teilnehmerfeld nicht weiter behauptete, war für Heinrich dieses große Event leider gelaufen. Schade, mit seiner Präsenz und etwas mehr Glück wäre bestimmt mehr drin gewesen.

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Weitere bayerische Vertreter waren natürlich unser „Doc“ Thomas Bäuml, der mit dem Ärzte-Team die medizinische Versorgung der Athleten/innen sicherstellte. Zum Glück gab es äußerst wenige Verletzungen, was zeigt, dass die Weltelite auf einem sehr hohen, aber auch kontrollierten Niveau agiert.

Neben Kampfrichter-Chef Roland Lowinger, gab es mit Walter Sosniok, Adnan Akgün und Tolga Saraf weitere bayerische Kampfrichter, die ihre nationalen und internationalen Kollegen auf und neben der Kampffläche unterstützten. Der Einsatz bei Walter war am Donnerstag zunächst noch fragwürdig, nachdem in seinem Hotel ein Feuereinsatz ausgelöst wurde. Es stellte sich dann aber heraus, dass unser Oberfränkischer Kampfrichter nach der langen Reise seine Dusche zu lang und zu heiß genossen hat, so dass bei offener Tür und der sich daraus entwickelnder Dunst einen Rauchalarm auslöste. Die Feuerwehrmänner inklusive Walter schauten bestimmt nicht schlecht, als sich zum Glück alles in einem Fehlalarm auflöste.

Insgesamt ist Hamburg immer eine Reise wert. Bei diesem hochwertigen Teilnehmerfeld war es allerdings auch für die Deutschen Nationalathleten extrem schwer sich zu behaupten. Unsere bayerischen Starter(innen) inklusive deren Trainer waren zwar höchst motiviert, aber auch realistisch, so dass die Enttäuschung sich wohl in Grenzen halten dürfte. Unseren WM-Athleten Heinrich Leistenschneider und Nico Drexel wünschen wir bereits jetzt für Linz viel Glück, Erfolg und auch Spaß an solch einem Event. Die nächste German Open findet vom 08.09.-10.09.2017 in Halle / Saale nähe Leipzig statt.


GO-2016-Sa_8FAZIT von BKB Leistungssportreferent:
In Anbetracht, der in kürze stattfindenden WM waren alle führenden Nationen mit Ihren WM Teams in Hamburg am Start. In den hochklassig besetzten Starterfeldern, war es für unsere bayerischen Sportler extrem schwer sich durchzusetzen. Dennoch haben alle unsere Athleten durchwegs gute Leistungen gezeigt und sich teilweise bis in die zweite oder dritte Runde kämpfen können. Aus bayerischer Sicht ein durchaus gutes Ergebnis. Um näher an die Top Nationen heranzukommen, ist aus meiner Sicht neben strukturellen Veränderungen in der Verbandsnachwuchsarbeit und der Bereitstellung finanzieller Mittel, im besonderen Maße aber die Nachwuchsarbeit in Richtung Wettkampfsport in den Vereinen von Bedeutung. Gerhard Weitmann


Bericht und Bilder:
Melanie Feldmeier