BKB Shotokan trifft Shito-Ryu

zsolt 2016Ingolstadt. Ab einem gewissen Gürtelgrad sollte jeder Karateka auch mal über seinen eigenen Horizont schauen, den sogenannten „Tellerrand“. Eine gute Gelegenheit bot der kürzlich abgehaltene BKB Lehrgang „Shotokan trifft Shito-Ryu“ in Ingolstadt, bei welchem unser BKB Breitensportreferent Fritz Oblinger als Gastreferenten Zsolt Szénási gewinnen konnte. Der sympathische Ungar kann bereits auf knapp 40 Jahre Kampfkunsterfahrung zurückgreifen und hatte ein entsprechend volles Programm für die anwesenden Interessierten vorbereitet.

Karate oder allgemein die Kampfkunst basiert laut seiner Ansicht nach auf vier Ebenen: die physikalische, die elektrische, die energetische und die mentale Ebene. Zu jedem „Level“ hat er mit praktischen Beispielen und Übungen am Partner erklärt, was es damit auf sich hat.

Auch wäre es wichtig, sich in seiner persönlichen Entwicklung Zeit zu nehmen. „Ich möchte nicht Eure Träume zerstören, aber als Kind lernt man auch erst die Buchstaben, dann die Wörter aus denen man Sätze bildet. Erst wenn man diese Stufe ausreichend und intensiv geübt hat, versteht man die Inhalte dieser Texte und kann irgendwann selbst eigene „Aufsätze“ verfassen. So auch im Training und im eigenen Karateleben“, referierte Zsolt. Auch ist seiner Ansicht nach das sogenannte traditionelle Karate, das in Europa vielerorts flächendeckend ausgeübt wird, nicht wirklich traditionell ist, sondern vielmehr eine modernisierte, entschärfte Form unserer Kampfkunst. Er empfindet es als sehr wichtig, dass die Zeit jetzt gekommen ist, an dem jeder ausprobieren sollte, was gut ist und was eher nicht funktioniert. In seinem Training selbst übte er viele verschiedene Techniken und Stände aus dem Shotokan und parallel dem Shito-Ryu. „Überkreuzdenken wird vernachlässigt, wenn wir immer nur mit einem Arm die Technik ausführen! Im Kihon sollten wir aber das üben, was wir im Kampf später dringend benötigen“, kommentierte der Gasttrainer und stellte seine Gruppe sogleich wieder vor einer neuen komplexen Aufgabe. Die Teilnehmer waren jedoch am Ende vom Tag allesamt begeistert. So auch Roland aus Wien, der wohl neben Zsolt den weitesten Weg auf sich genommen hat. „Ich bin zum ersten Mal in Bayern, hauptsächlich wegen Sensei Zsolt angereist, aber natürlich auch um neue Karatekas kennen zu lernen. Gefallen hat mir der Trainingsstil, die normalen Gedanken zu unterbrechen und mit neuen Übungen frische Akzente setzen.“

Frisch war zum Ende hin zwar niemand mehr, aber mit Sicherheit gab es für alle Anwesenden neue Ansätze und Trainingsreize, um sein eigenes Karate auf ein höheres Niveau zu bringen. Abschließend gilt ein großer Dank vor allem dem bewährten Karate-Ausrichterverein des TSV Ober-Unterhaunstadt mit seinem Team und auch Christian Gembe, der freundlicherweise als Dolmetscher für unseren ungarischen Gasttrainer fungierte.

Bericht und Bilder:
Melanie Müller